Am 28. Mai, kurz vor Ende des Moratoriums, wurde in 21 deutschen Städten zu Großdemonstrationen aufgerufen – unter anderem in Münster. Vor dem Hintergrund der Katastrophe in Fukushima und dem Fakt, dass zur Zeit nur vier von ehemals 17 AKWs am Netz sind, wurde der schnellstmögliche Atomausstieg gefordert. In Münster richtete sich der Fokus vor allem auf die oft vergessene Urananreicherungsanlage Gronau, die immerhin 7 % des Weltmarkts mit Uran beliefert, aber in Ausstiegskonzepten unberücksichtigt bleibt.
Auch wir von Campus Grün schlossen uns diesen Forderungen an. Zusammen mit den 7000 Münsteraner bzw. 160000 bundesweiten Demonstranten wollten wir deutlich machen, dass ein wirklicher Atomausstieg ohne faule Kompromisse auskommen muss.
Bereits im Vorfeld waren wir an der Mobilisierung beteiligt. Wir “backten” aus Butterkeksen, Waffelröllchen und Schaumküssen kleine AKWs, die wir am Freitag und Samstag in der Münsteraner Innenstadt verteilten, um die Menschen auf die Demo aufmerksam zu machen. Zwar hatten wir mit Regen zu kämpfen, dennoch wurden wir unsere über 300 Atomkraftwerke los und stießen auf positive Resonanz. Außerdem malten wir, angelehnt an die berühmte Douglas-Werbung, ein Transparent.
Mittlerweile hat die Bundesregierung ihr Ausstiegskonzept vorgelegt. Positiv kann man beurteilen, dass die acht ältesten Meiler abgeschaltet bleiben. Das Ausstiegsdatum ’21/’22 ist zwar wenig ambitioniert, aber immerhin deckt es sich mit dem rot-grünen Atomausstiegsgesetz. Wenig überzeugt allerdings, dass das Ausstiegskonzept keinen Stufenplan vorsieht: Alle neun verbleibenden AKWs sollen bis 2021 laufen, drei sogar als Reserve bis 2022. Das erscheint sinnlos, denn bis 2021 verstopft zu viel Atomstrom die Netze und behindert den Ausbau der Erneuerbaren – und innerhalb von einem Jahr sollen alternative Energieformen dann plötzlich sechs bzw. neun AKWs ersetzen?
Kein wirklich planvoller Ausstieg, sondern eher ein letztes Geschenk an die Atomlobby.



