Es ist mitunter das erste, das Studierende geisteswissenschaftlicher Fächer an der Uni lernen: richtiges Zitieren. Hierbei ist das gruselige Wort „Plagiat“, d.h. der „Diebstahl geistigen Eigentums“, unumgänglich und wird im Zusammenhang mit Androhung von Exmatrikulation und Geldstrafen in 5-stelliger Höhe genannt. Wie akribisch muss ich belegen? Hinter jeden Satz eine Fußnote? Sollte ich lange Zitationen durch eigene Gedanken unterbrechen? Darf ich bei anderen wiedergefundene eigene Gedanken auch als meine eigenen verwenden? Aus wie viel Zitat und wie viel Eigenleistung soll ein Abschnitt bestehen? Wie viel Abwandlung macht ein direktes Zitat („“) zu einem indirekten (vgl.) und wie viel zu einem eigenen Gedanken, der sich mit dem von jemand anders deckt (vgl. auch)? Welche Quellen darf ich zitieren? Das sind nur ein paar Fragen, die Studierenden bei ihren Arbeiten Kopfzerbrechen bereiten. Nicht selten ärgert man sich, dass ein guter eigener Gedanke bereits auch in einer Quelle vorkommt – welch schlauer Schuft, der den Gedanken vor mir hatte – und man versucht ihn soweit umzustrukturieren, bis es nicht mehr auffällt.
Fertigt auch gern Plagiate an - KT zu Guttenberg. Quelle: Wikipedia
Ähnliches wird gewiss auch Verteidigungsminister zu Guttenberg durch den Kopf gegangen sein. Nun wird er von Seiten einiger Wissenschaftler mit dem Vorwurf des Plagiats bei seiner Doktorarbeit in Jura mit dem Titel „Verfassung und Verfassungsvertrag – konstitutionelle Entwicklungsstufen in den USA und der EU“ konfrontiert sowie von einigen jene Autor_innen, von denen er abgeschrieben haben soll. Unter anderem schrieb Dr. Barbara Zehnpfennig für die FAZ vom 27.11.1997 einen Artikel, dem große Teile der Doktorarbeit zu Guttenbergs stark ähneln, teils paraphrasiert, teils im Wortlaut exakt übernommen, ohne dabei hinreichend kenntlich gemacht zu werden. Sie fordert die Aberkennung seines Doktortitels und steht damit nicht alleine da.
Nun mögen Leser_innen denken, es handle sich – wie Unionspolitiker sagen – um eine „Schmutzkampagne“ gegen den beliebten CDU-Politiker. Wer will, kann hierzu zahlreiche Artikel der letzten Tage in Zeitungen und Internet mit Meinungen und Einschätzungen verfolgen.
Dieser Artikel soll in erster Linie das studentische Thema „Plagiat“ behandeln. Dass sich gerade der hochstilisierte zu Guttenberg als Vorlage und Beispiel darbietet, macht es natürlich umso interessanter und brisanter. weiterlesen »



